Wie berechnet man den Immobilienwert?
- Michael Fiedler
- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Der Immobilienwert (Verkehrswert) wird meist über 3 Verfahren ermittelt: Vergleichswert (ähnliche Verkäufe), Ertragswert (Mieten/Rendite) oder Sachwert (Baukosten/Alter/Zustand). Welche Methode passt, hängt davon ab, ob die Immobilie selbst genutzt oder vermietet ist. Ein schneller Richtwert ist: Wert ≈ (marktübliche Nettomiete pro Jahr) ÷ (marktübliche Rendite/Kapitalisierungszins) – anschließend werden Lage, Zustand, Ausstattung, Energie, Rechte/Lasten und Markttrend angepasst. Die drei Verfahren sind auch in der Immobilienwertermittlung als Standard beschrieben.
Wie berechnet man den Immobilienwert?: Methoden, Formeln & echte Zahlen (Berlin/Brandenburg)
Wer „Immobilienwert berechnen“ googelt, meint meistens eins: Was ist meine Wohnung / mein Haus heute realistisch wert – und wie komme ich zu einer Zahl, die auch Käufer, Banken und Gutachter nachvollziehen können? Hier bekommst du eine praxisnahe Anleitung + reale Marktkennzahlen für Berlin und Brandenburg.
1) Erst klären: Welcher „Wert“ ist gemeint?
In Gesprächen werden mehrere Begriffe vermischt:
Verkehrswert / Marktwert: Preis, der im normalen Geschäftsverkehr erzielbar ist (realistische Marktsicht).
Angebotspreis: Das, was online steht (nicht automatisch das, was bezahlt wird).
Beleihungswert (Bank): konservativer, risikoorientiert (kann deutlich abweichen).
Für SEO-Suchen ist fast immer der Verkehrswert relevant.
2) Die 3 Standard-Methoden (und wann welche passt)
Die gängigen Verfahren sind:
Vergleichswertverfahren
Ertragswertverfahren
Sachwertverfahren
Kurzübersicht
Methode | Ideal für | Kernidee | Output |
Vergleichswert | Eigentumswohnung, Reihenhaus, EFH in „vergleichbaren“ Lagen | Vergleichbare Verkäufe + Zu/Abschläge | €/m² → Marktwert |
Ertragswert | Vermietete Wohnung, MFH, Anlageobjekt | Wert aus nachhaltig erzielbarem Ertrag | Rendite/Multiplikator |
Sachwert | Spezialimmobilien / wenig Vergleichsfälle | Bodenwert + (Baukosten – Alterswertminderung) | Plausibilisierung/Backup |
3) Markt-Reality-Check: Was sagen aktuelle Daten?
Deutschland: Preise ziehen wieder an (Makrotrend)
Der Häuserpreisindex in Deutschland lag im 3. Quartal 2025 im Schnitt +3,3 % über dem Vorjahresquartal.
Der vdp-Index (Pfandbriefbanken) zeigt für Q3 2025 ebenfalls +3,6 % im Jahresvergleich.
Berlin: Transaktionsmarkt & Besonderheiten
In H1/2025 stiegen die Verkäufe von Eigentumswohnungen ggü. H1/2024 um 14 %, und die durchschnittlichen Kaufpreise um 4 %.
Mikroapartments sind ein eigenes Segment – in Berlin wurden im Kontext dieser Auswertung Durchschnittswerte von ca. 10.000 €/m² genannt.
Rendite-/Zinsdaten für Ertragswert (Berlin, amtliche Wertermittlungsdaten)
Für Berliner Mietobjekte veröffentlicht der Gutachterausschuss u. a. Liegenschaftszinssätze (markttypische Verzinsung). Beispiel „Gebietsgruppe City“: je nach Miete liegen die Werte grob von 2,8 % bis 4,9 % (z. B. bei 10 €/m² ca. 3,6 %, bei 12 €/m² ca. 3,9 %).
Brandenburg-Beispiel (Barnim): Faktor & Liegenschaftszins
Im Grundstücksmarktbericht Barnim werden als Marktwerte u. a. Rohertragsfaktoren (z. B. 13–31, typisch um 20) und Liegenschaftszinssätze (z. B. 4,4 % in einer Auswertung) ausgewiesen.
4) Schritt-für-Schritt: Immobilienwert berechnen (robust & nachvollziehbar)
Schritt 1: Objekt sauber „vermessen“ (die Datenbasis)
Checkliste (Minimum):
Wohn-/Nutzfläche, Grundbuchdaten, Baujahr, Modernisierungen
Zustand (Küche/Bad/Fenster/Dach/Heizung), Energiekennwerte
Mikrolage (Straße, Lärm, ÖPNV, Kiez), Etage/Aufzug/Balkon
Bei Vermietung: Nettokaltmiete, Mietvertrag, Index/Staffel, Leerstand
Schritt 2: Passendes Verfahren wählen
Eigennutzung / Standard-Wohnung: Vergleichswert zuerst.
Vermietet / Renditeobjekt: Ertragswert zuerst.
Sonderfall / kaum Vergleich: Sachwert als Plausibilisierung.
Schritt 3: Mit echten Vergleichsdaten arbeiten (Vergleichswert)
5–10 passende Vergleichsobjekte (gleiche Gegend, Größe, Baualtersklasse, Zustand)
Preis pro m² bilden
Zuschläge/Abschläge vergeben
Beispielhafte Zuschläge/Abschläge (Faustwerte für Schnellcheck):
Voll saniert vs. unsaniert: ±5–20 %
Balkon/Aufzug/Parkplatz: +2–10 %
EG ohne Garten / stark befahrene Straße: −5–15 %
Denkmalschutz / Erbpacht / Sonderrechte: individuell (oft wertrelevant)
Wichtig: Diese Korrekturen ersetzen kein Gutachten – sie helfen, Vergleichspreise realistisch anzupassen.
5) Ertragswert rechnen (für Vermietung & Investment) – mit Zahlen
Formel (vereinfachte Direktkapitalisierung)
Wert ≈ Jahres-Nettomiete (nach nicht umlagefähigen Kosten/Leerstand) ÷ Liegenschaftszins
Der Liegenschaftszins spiegelt die Marktrendite wider; für Berlin werden dazu amtliche Orientierungswerte veröffentlicht.
Beispiel A: Berlin (vereinfachtes Rendite-Rechenbeispiel)
Angenommen:
Mietfläche: 600 m²
Nettokaltmiete: 10 €/m²
Jahresrohmiete: 600 × 10 × 12 = 72.000 €
Abzug nicht umlagefähige Kosten/Leerstand (z. B. 15 %): −10.800 €
Jahres-Nettoertrag: 61.200 €
Liegenschaftszins (City-Beispiel bei 10 €/m²): ca. 3,6 %
Wert ≈ 61.200 € ÷ 0,036 = 1.700.000 €
Das ist eine vereinfachte Überschlagsrechnung. In der „klassischen“ deutschen Ertragswertermittlung werden Bodenwert und Gebäudereinertrag oft getrennt betrachtet. Für eine schnelle Markt-Orientierung ist die Direktkapitalisierung aber sehr gebräuchlich.
Beispiel B: Brandenburg (Barnim) über Faktor
Angenommen:
Jahresnettomiete: 50.000 €
Rohertragsfaktor (Beispieltypik ~20):
Wert ≈ 50.000 € × 20 = 1.000.000 €
6) Typische Fehler, die Werte um 10–30 % verschieben
Angebotspreise = Marktpreise (oft nicht identisch)
Falsche Vergleichsgruppe (anderer Kiez/anderer Zustand/anderes Baualter)
Mietniveau nicht marktkonform (Altvertrag vs. Neuvermietung)
Sanierungsrisiken ignoriert (Dach, Leitungen, Fassade, Heizung)
Rechte/Lasten übersehen (Erbbaurecht, Nießbrauch, Wegerechte)
Mikrolage unterschätzt (Lärm, Ausrichtung, EG, Hinterhaus etc.)
7) Mini-Tool: 5-Minuten-Schnellrechnung (Template)
Für Eigennutzer (Vergleich):
Durchschnittspreis €/m² aus 5–10 Vergleichen
× Wohnfläche
± Korrekturen (Zustand/Etage/Balkon etc.)
Für Kapitalanleger (Ertrag):
Jahreskaltmiete
− nicht umlagefähige Kosten/Leerstand (Faustwert 10–20 %)
÷ Rendite (Liegenschaftszins / Marktcap)
8) Fazit: Die „beste“ Methode ist die, die zum Objekt passt
Wohnung/Haus zur Eigennutzung: Vergleichswert + saubere Adjustierung.
Vermietung/Investment: Ertragswert (Rendite/Faktor) plus Plausibilität über Vergleich.
Sonderobjekt: Sachwert als Stütze.
Wir von immowerk.BERLIN stehen in diesem Bereich als kompetenter Profi zur Seite und können als Makler, Architekten und Projektentwickler von einer breiten Expertise zur Seite stehen. Melde dich gern bei Fragen oder konkreten Projekten.

Quellen:
https://www.gesetze-im-internet.de/immowertv_2022/BJNR280500021.html?utm_source=chatgpt.com "ImmoWertV - Verordnung über die Grundsätze für ..."
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_470_61262.html?utm_source=chatgpt.com "Preise für Wohnimmobilien im 3. Quartal 2025"
https://www.pfandbrief.de/en/increase-in-property-prices-persists/?utm_source=chatgpt.com "Increase in property prices persists - vdp"
https://www.berlin.de/gutachterausschuss/_assets/amarktinformationen/adaten-zur-wertermittlung/05-02-010-2500.pdf?ts=1761748502 "Berichtigung / Hinweis"
https://gutachterausschuss.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/GMB_BAR.pdf?utm_source=chatgpt.com "Grundstücksmarktbericht 2024 für den Landkreis Barnim"

